
Josef Leisen / Hanna Mentges / Herbert Tokarski
erschienen in: Seminar – Lehrerbildung und Schule 4(2003), S.
13-21
Die Evaluation des Koblenzer Studienseminars
Gymnasien
„Die externe Evaluation des Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien Koblenz ist die erste dieser Art in der deutschen Lehrerbildung. Damit hat das Studienseminar eine Pionierrolle übernommen und etwas verwirklicht, was in der Kritik seit langem gefordert worden ist, nämlich eine Qualitätsprüfung, die eine Außensicht anlegt und von unabhängigen Experten durchgeführt wird. .... Die Kommission ist sich darüber im Klaren, dass ihrer Arbeit in bestimmten Hinsichten Modellfunktion zukommt. Sie hat daher ihre Aufgabe so verstanden, dass die Analyse des Studienseminars Koblenz neben den seminarspezifischen Gegebenheiten auch Aspekte eines Fallbeispiels trägt, an dem sich strukturelle Probleme der Lehrerbildung darstellen und diskutieren lassen.“
Mit diesen Sätzen leitet die Gutachtergruppe ihren Bericht über die externe Evaluation des Studienseminars in Koblenz ein. Die ebenso aufwändige wie konzentriert dichte Evaluation fand zwischen November 2002 und Mai 2003 statt. Dieser Bericht beschränkt sich weitgehend auf die Darstellung struktureller sowie Standort übergreifender Ergebnisse und umfasst drei Gliederungspunkte:
1.
Beschreibung
des Verfahrens
Die Evaluation des Studienseminars wird nach dem Mainzer Modell vom ZQ (Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung in Forschung und Lehre an der Universität in Mainz [2][2] organisiert und durchgeführt. Das Kollegium wird im Juli 2001 vom ZQ informiert, nach weiteren Beratungen stimmt es der Durchführung in geheimer Abstimmung mit großer Mehrheit zu. Die Evaluation beginnt im November 2001.
Die Evaluation des ZQ nach dem Mainzer Modell ist dreistufig angelegt:
· Eine interne Evaluation mit einem internen Evaluationsbericht
· Eine externe Begutachtung durch Fachkollegen von außen
·
Eine Zielvereinbarung.
·
In der sehr aufwändigen internen Evaluation
werden die Daten gesprächsbasiert erhoben, indem die
Vertreter des ZQ Gespräche mit dem neuen Referendarkurs (56 Personen im 1.
Ausbildungshalbjahr) in vier Gruppen, ebenso mit dem alten Referendarkurs (52
Personen im 4. Ausbildungshalbjahr) nach dem Examen und mit sieben
repräsentativen Ausbildungsschulen durchführen. Weiterhin finden
Einzelgespräche mit dem Vertreter der Schulbehörde, jedem Fachleiter und jedem
Mitglied der Seminarleitung statt. In der Summe sind dies 38 etwa zweistündige
Gespräche. Die transkribierten Tonbandmitschnitte werden von den
Gesprächspartnern autorisiert und gehen hoch verdichtet in den internen
Evaluationsbericht ein. Parallel dazu wird per Fragebogen eine
Absolventenbefragung der letzten fünf Jahrgänge durchgeführt und es werden
Strukturdaten erhoben.
Im Juli
2002 liegt der interne Evaluationsbericht vor, er wird vom Kollegium einstimmig
verabschiedet und geht den Gutachtern zur Vorbereitung der zweitägigen externen
Begutachtung zu. Der Kommission gehören Prof. Dr. Jürgen Oelkers
(Universität Zürich), Prof. Dr. Ludwig Freisel
(Studienseminar Leer), Dr. Hartmut Lenhard (Studienseminar Paderborn) und Prof.
Dr. Ekkehart Glässner
(Landesprüfungsamt Stuttgart) an.
·
Die externe
Begutachtung findet im September 2002 statt,
sie ist durch intensive Gespräche der Gutachter mit den verschiedenen Gruppen gekennzeichnet
und wird am zweiten Tag durch einen mündlichen Bericht abgeschlossen, in dem
die Gutachter einem Auditorium aller Gesprächsteilnehmer die wesentlichen
Ergebnisse vortragen. Das externe Gutachten liegt Anfang November 2002 vor.
·
Im Dezember
2002 erstellt das ZQ Empfehlungen zur Umsetzung der internen und externen
Evaluation[3][3] als Basis für die Zielvereinbarung.
Da
die Evaluation des Seminars in eine Zeit fällt, in der parallel ein
Reformkonzept der Lehrerausbildung in Rheinland-Pfalz diskutiert wird, lassen
sich die von der Kommission empfohlenen strukturellen Veränderungen seitens des
Landesprüfungsamtes nicht sofort realisieren. Deshalb wird auf eine
Zielvereinbarung verzichtet, stattdessen verabschiedet das Studienseminar im
Mai 2003 eine Selbstverpflichtung mit
Wünschen an das Ministerium und an die Schulbehörde. Damit ist die externe
Evaluation formal abgeschlossen.
2.
Ergebnisse
Das interne Gutachten umfasst 142 Seiten, das externe Gutachten 31 Seiten. Letzteres enthält Stellungnahmen und Empfehlungen zu fünf Problembereichen:
·
Reform der Studienseminare im strukturellen
Kontext der Lehrerbildung
·
Reglemente für Vorbereitungsdienst und Studium
·
Maßnahmen zur internen Qualitätssicherung des
Studienseminars
·
Kooperation Studienseminar –
Ausbildungsschulen
·
Materielle Ausstattung und Personalsituation
Im Folgenden werden Aussagen zu
diesen Problembereichen dargestellt, die für andere Studienseminare von
Interesse sein können.
Reform der Studienseminare im
strukturellen Kontext der Lehrerbildung
Das Gutachten empfiehlt Maßnahmen
und Änderungen, die die Ausbildungsstruktur in der ersten und zweiten Phase
verbessern sollen:
-
Eine
externe Evaluation aller Pädagogischen
Institute des Landes soll die wissenschaftliche sowie die didaktische Qualität
des Erziehungswissenschaftlichen Begleitstudiums für die verschiedenen
Lehrämter überprüfen.
-
Für
das Universitätsstudium, den Vorbereitungsdienst und die Ausbildung an der
Schule sollen von den beteiligten Institutionen gemeinsam Standards entwickelt
werden.
-
Berufswissenschaften
und Fachdidaktik sollen im Zuge der Reorganisation der Lehrerbildung - eine
neue Ausbildungsqualität vorausgesetzt - gestärkt werden.
-
Die
Ausbildungsphasen sollen institutionell verzahnt werden, dabei kann das
Referendariat gekürzt werden, wenn Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der
fachdidaktischen, der erziehungswissenschaftlichen und der Fachstudien in
didaktischer Hinsicht nachgewiesen sind und
wesentliche Praxisanteile des Referendariats in das Studium integriert werden.
(Die Kommission schlägt eine Kürzung auf eineinhalb Jahre vor, unter der
Bedingung, dass die Praxisanteile im Studium verstärkt werden und die Mitarbeit
der Studienseminare in der ersten Phase – s.u.-
gewährleistet ist.)
-
Universitäre
Zentren für Lehrerbildung, mit echten Kompetenzen und
Weisungsbefugnissen, sollen eingerichtet werden, in diese sollen die
Studienseminare institutionell eingebunden werden (Betreuung von Praxisphasen
und Schulpraktika durch die Seminare).
-
Lehramtsspezifische
Kerncurricula für das Erziehungswissenschaftliche Begleitstudium sowie für die
Ausbildung in Fachdidaktik sollen entwickelt werden.
-
Die
gesetzlichen Bestimmungen sollen entsprechend geändert und Zeitleisten und
Musterstudienplänen entwickelt werden, die dazu beitragen sollen, das Studium
im Rahmen der Regelstudienzeit zielgerichtet für die
Berufstätigkeit an einem Gymnasium abzuschließen.[4][4]
Reglemente für
Vorbereitungsdienst und Studium
Die Kommission hat sich mit besonderer Aufmerksamkeit mit dem Konzept und den praktischen Auswirkungen der Landesverordnung auf die Seminarausbildung befasst und stellt fest:
„Die Kommission sieht einen Grundwiderspruch zwischen dem programmatischen Ziel der Ausbildung und den konkreten Rahmenvorgaben, die sich auszeichnen durch
- eine starke hierarchische Struktur der gesamten Ausbildung
- eine hohe Intransparenz bei der Notengebung vor allem der Vornote
- eine Tendenz zur punktuellen Leistungsüberprüfung etwa im Zusammenhang mit den Lehrproben
- eine deutlich zu hohe Prüfungslastigkeit der Ausbildung.
Die Kommission empfiehlt, die
Landesverordnung neu zu konzipieren und dabei von dem erwachsenen,
selbstverantwortlichen Lerner als Axiom der Seminarausbildung
auszugehen.“
Maßnahmen zur internen Qualitätssicherung
des Studienseminars
Zum Zeitpunkt der Evaluation befindet sich das Koblenzer Seminar in einem seit zwei Jahren laufenden Entwicklungsprozess. Die Kommission hat den Bereich der internen Seminarentwicklung vornehmlich unter der Leitfrage der Lehrerausbildung evaluiert: Dient die Lehrerausbildung am Studienseminar Koblenz dazu, Studienreferendarinnen und -referendare qualifiziert auf ihre künftige Praxis als Lehrerinnen und Lehrer vorzubereiten?
„Beim Sitemeeting der Evaluation vor Ort hat
die Kommission den Eindruck gewinnen können, dass die Seminarleitung sich der
Kernaufgabe der Ausbildung mit besonderer Sorgfalt und Innovationsbereitschaft
angenommen hat und schon jetzt erkennbare Erfolge auf dem Weg zu einer qualitätsbewussten und nachhaltigen Ausbildung erzielt hat.
Dabei sind insbesondere die Maßnahmen im Rahmen der Entwicklung des
Studienseminars zu nennen, die ein systematisches und folgerichtiges Vorgehen
in klar erkennbaren Schritten erkennen lassen. Hervorzuheben ist, dass die Seminarleitung
diesen Prozess nicht im Alleingang realisiert hat, sondern die Ausbilder des
Seminars für die Seminarentwicklung gewinnen konnte. Die Kommission möchte die
Seminarleitung und die Ausbilder auf dem eingeschlagenen Weg bestätigen und sie
ermutigen, auch die noch offenen Entwicklungsaufgaben gemeinsam anzugehen und zielgerichtet mit Nachdruck zu verfolgen.“
Als Aufgaben für die weitere Seminarentwicklung hat die Kommission fünf Schwerpunktbereiche benannt, die an die bereits begonnenen Themen der Seminarentwicklung anknüpfen.[5][5]
· Zielkatalog/Standards
· Standardsituationen als Gegenstand der Ausbildung
· Seminardidaktik und Beratung
· Abstimmung über Formate und Anforderungen
· Modularisierung (der Ausbildung)
Kooperation Studienseminar -
Ausbildungsschulen
Die Kommission nennt sechs Bereiche, in denen die Qualität der schulischen Ausbildung und die Zusammenarbeit zwischen Seminar und Schule wesentlich verbessert werden können:
- Zuweisungsgesichtspunkte (Unterrichtsbedarf vs. Qualität der Ausbildungsbedingungen)
- Eigenverantwortlicher Unterricht (Umfang und Art des Einsatzes)
- Ausbildungsleiter an den Schulen
- Schulgutachten (Kriterien und Wertigkeit)
-
Seminarbeteiligung an der zukünftigen
Qualitätsentwicklung der Schulen
Ausdrücklich zitiert sei das abschließende Zitat des Berichtes zu diesem Kapitel: „Eine gute Lehrerausbildung ist nur dann möglich, wenn alle beteiligten Institutionen einschließlich Ministerium und Schulbehörde eng und ohne Berührungsängste zusammenarbeiten. Dazu muss das Ansehen der Lehrerausbildung wieder einen höheren Stellenwert erhalten. Die Kommission empfiehlt dringlich auch eine Aufwertung der Ausbildungsschulen. Mit dem Status Ausbildungsschule muss etwas Besonderes verbunden sein und es muss eine Auszeichnung sein, diesen Status übertragen zu bekommen. Die Kommission kann sich hier durchaus Wettbewerb vorstellen, und es sollte auch in Zeiten schlechter Staatsfinanzen möglich sein, den Status der Ausbildungsschule mit gewissen Anreizen und Belohnungen durch die Behörde zu fördern.“
Materielle Ausstattung und
Personalsituation
Die Kommission sieht einen gravierenden Mangel darin, dass neue Ausbilder bei der Aufnahme ihrer Ausbildungsaufgabe nicht gezielt auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden, und kritisiert das Fehlen einer systematischen Fort- und Weiterbildung für Ausbilderinnen und Ausbilder wie auch einer Erfolgskontrolle für die Ausbildertätigkeit. In diesem Zusammenhang tritt die Kommission für die Möglichkeit einer zeitlichen Befristung der Ausbildertätigkeit ein. Sie empfiehlt die Beibehaltung der Funktionsstelle nach A15, hält aber eine Überprüfung der Qualifikation nach zwei Ausbildungsdurchgängen (= vier Jahren) für unbedingt erforderlich. Bei Bewährung ist eine Weiterführung der Ausbildungstätigkeit für weitere vier Jahre sinnvoll. Ob noch weitere Verlängerungen möglich sein sollten, bleibt zunächst offen. Entscheidend ist für eine solche Neuregelung, dass zwei Bedingungen erfüllt sind:
- eine gründlichere Professionalisierung der Ausbilder
-
nach der Tätigkeit am Studienseminar soll den
Ausbildern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Qualifikationen unter
Beibehaltung ihrer Besoldungsgruppe A15 weiter einzubringen (in der
Lehrerfortbildung, in der Schulentwicklung auf der Ebene einer Schule oder auf
regionaler bzw. Bezirksebene).
Diese Veränderungen berühren
viele Bereiche der gegebenen organisatorischen und dienstrechtlichen
Strukturen. Dennoch hält die Kommission die vorgeschlagenen Maßnahmen für
unbedingt erforderlich, um die Qualität der Lehrerausbildung nachhaltig zu
entwickeln und zu sichern.[6][6]
3.
Konsequenzen
Nach anderthalbjähriger
begleitender Evaluationsarbeit verfügt das ZQ über ebenso breite wie vertiefte
Kenntnisse über die Arbeit des Studienseminars und verfasst konkrete
Empfehlungen[7][7] zur weiteren Entwicklungsarbeit, die sich
als sehr hilfreich erweisen. Auf dieser Grundlage wird unter Mitwirkung der
Referendare eine Selbstverpflichtung[8][8] erarbeitet, die das Kollegium einstimmig
auf einer Dienstbesprechung im Mai 2003 verabschiedet. Die Gliederung ist an
die Entwicklungsthemen und an die Aktivitäten der laufenden Seminarentwicklung
angepasst.
Die seit dem Jahr 2000 laufende
systematische Seminarentwicklung ist in einem Seminarprogramm formuliert, das
ein Leitbild, Entwicklungsthemen, Aktivitäten und Evaluationen
umfasst. Im Leitbild sind die Leitvorstellungen in Leitlinien oder
Leitbegriffen verdichtet formuliert. Aus diesen Leitlinien ergeben sich
inhaltliche Dimensionen der zukünftigen Arbeit, die sich in Entwicklungsthemen
konkretisieren. Deren Umsetzung erfolgt in Aktivitäten; diese Aktivitäten
werden evaluiert und wirken auf die Leitlinien und die Entwicklungsthemen
zurück.

Auf der Webseite des Seminars
finden sich genauere Ausführungen zu den Entwicklungsthemen und Aktivitäten
mit den entsprechenden Dokumenten. Im Folgenden werden die Entwicklungsthemen
kurz skizziert.
Die Entwicklung von Standards
wird zurzeit auf allen Ebenen des Bildungswesens gefordert. Das Studienseminar
Koblenz hat diese Arbeit im Rahmen der Seminarentwicklung bereits vor drei
Jahren aufgenommen. In verschiedenen Arbeitsgruppen werden Standards,
Standardsituationen und zugehörige Handlungsoptionen entwickelt.[9][9]
Standards sind die
Kompetenzen (und deren Performanz), über die Lehrpersonen unbedingt verfügen
müssen, damit sie unterrichtliche und schulische Situationen
(Standardsituationen) erfolgreich (= passend) bewältigen. Standards sind
notwendige Wissens- und Könnensbestände, durch die sich das professionelle
Handeln in unterrichtlichen und schulischen Situationen von dem eines Laien
unterscheidet. Sie sind aus der Erfahrung geronnene und durch die Theorie
gestützte Fassungen von Kompetenzen, die dem wissenschaftlichen Diskurs
verpflichtet sind. Ob Standards erfüllt sind, muss sich in der Planung für
konkrete Situationen und im Handeln in konkreten Situationen zeigen.
Im Rahmen der Seminarentwicklung
wurden am Studienseminar Koblenz Standards für das Referendariat, die
Fachseminare mit fachspezifischen Ausprägungen und für die schulische
Ausbildung entwickelt.[10][10] (Um sie überschaubar und auch
praktikabel zu gestalten, wurde vereinbart, die Zahl der Standards auf maximal
10; die der Unterpunkte auf maximal 4 und den Umfang auf zwei Druckseiten zu
begrenzen.)
Standardsituationen sind
paradigmatische Situationen des Lehrerhandelns. Es sind unterrichtliche und
schulische Situationen, die häufig vorkommen und in gewissem Sinne
verallgemeinerbar sind.
Handlungsoptionen sind
verschiedene Optionen für das Handeln in Standardsituationen. Der Begriff
Handlungsoption - anders als die Begriffe Hinweis, Hilfe, Empfehlung -
verdeutlicht, dass es sich nicht um Rezepte handelt, sondern um im Einzelfall
zu legitimierende Möglichkeiten des Handelns.
Während Standards allgemeiner und
abstrakter formuliert sind, sind Standardsituationen und Handlungsoptionen sehr
konkret und Gegenstand der täglichen Ausbildung. Standards als aus der
Erfahrung geronnene und durch die Theorie gestützte Fassungen von Kompetenzen
sind verbindlich festgelegt und nicht verhandelbar. Standardsituationen und
Handlungsoptionen indes werden aus dem Kontext der Ausbildungsarbeit heraus
induktiv im Sinne eines mitwachsenden Systems mit
jedem neuen Referendarkurs gemeinsam erarbeitet und formuliert. Die so
zusammengestellten Standardsituationen mit Handlungsoptionen werden in
Seminarsitzungen (Modulen) gebündelt, reflektiert und mit theoretischen
Konzepten überprüft und gestützt.
Entwicklungsthema 2:
Modularisierung der Ausbildung und Kooperation innerhalb des Seminars
Ausbildung muss nicht
zwangsläufig für alle im Gleichschritt erfolgen. Aus der Leitlinie Selbstständigkeit
durch Individualisierung, Selbststeuerung und Prozessorientierung, aus der
Verpflichtung zur Erwachsenenpädagogik sowie aus der Orientierung an Standards
folgt konsequenterweise, dass die Referendarinnen und Referendare die
Möglichkeit erhalten, in der Ausbildung ein eigenes Profil zu entwickeln. Das
kann durch eine Modularisierung der Ausbildung erreicht werden, damit wird auch
eine Basis dafür geschaffen, dass Referendarinnen und Referendare als
kompetente Berufseinsteiger ihr professionelles Wissen und Können am
Arbeitsplatz Schule weiterentwickeln.
Für die Referendarinnen und
Referendare bedeutet die Modularisierung, dass sie in den zentralen beruflichen
Handlungsfeldern ein Pflichtprogramm absolvieren und darüber hinaus in einem
Wahlpflichtbereich spezifischen Interessen und Profilierungen nachgehen. Sie
erstellen gemeinsam mit den Ausbildern ihren individuellen Ausbildungsplan und
belegen die eigene Ausbildung in einer Ausbildungsdokumentation. Evaluationen
zeigen uneingeschränkte Zustimmung zur Modularisierung, die Formen des
individuellen Ausbildungsplanes und der Ausbildungsdokumentation befinden sich
zurzeit noch in der vorsichtigen Erprobung.
Durch die Modularisierung wird
das Allgemeine Seminar offener strukturiert, zugleich eröffnet die
Modularisierung Möglichkeiten zur fachseminarübergreifenden
und fächerverbindenden Arbeit im Seminar. In einem
System, das Pflicht- und Wahlmodule, Fachmodule und fachseminarübergreifende
Module umfasst, findet eine thematische und personelle Verzahnung der
Fachseminare untereinander und mit dem Allgemeinen Seminar statt.
Entwicklungsthema 3: Fort- und Weiterbildung von Fachleitern und
vorbereitende Ausbildung von neuen Fachleitern
Eine Arbeitsgruppe “Neue
Fachleiter“ begleitet Fachleiter während der Anfangsphase ihrer
Tätigkeit. Sie bietet ein Forum zum Austausch von Erfahrungen und gibt die
Möglichkeit, Kooperation und Innovation innerhalb des Seminars voranzubringen.
Das Studienseminar setzt eine
Arbeitsgruppe ein, die „Kriterien guter Fachleitungs- und
Seminarleitungstätigkeit“ erarbeitet und hieraus Empfehlungen für die
Weiterbildung von Fachleitern ableitet. In den damit verbundenen Erörterungen
wird auch der Frage Rechnung getragen, inwieweit Supervisionen oder
individuelles Coaching ein denkbares Instrument der
seminarinternen Weiterbildung sein können. Diese Kriterien und Empfehlungen
werden mit den übrigen Studienseminaren des Landes abgestimmt.
Das Studienseminar führt mit dem
Institut für Lehrerfort- und –weiterbildung
(IFB) ein Kooperationsprojekt durch zur vorauslaufenden
netzbasierten Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer,
die sich auf eine Fachleiterstelle bewerben wollen (NeFa).
Das Projekt reagiert dabei auf die bei der Evaluation als problemhaltig
erkannte Tatsache, dass Fachleiter auf ihre Tätigkeit nicht vorbereitet werden,
und ist allen Interessierten des Landes aus dem gymnasialen Bereich geöffnet.
Entwicklungsthema 4: Kooperation mit den Ausbildungsschulen
Das Studienseminar hat inzwischen
mit den Ausbildungsschulen eine schriftliche Vereinbarung abgeschlossen, durch
die die Ausbildungsbedingungen vereinheitlicht werden. In der Vereinbarung werden
die in der Evaluation angemahnten zentralen Punkte der Ausbildungsarbeit
(Standards, Ausbildungsinhalte, Beurteilungskriterien, Schulgutachten, ...)
formuliert[11][11] und verbindliche Regelungen zu den konfliktiven Punkten (Vertretungen, Bereitschaft, Aufsichten,
Eigenverantwortlicher Unterricht, ...) getroffen.
Das Studienseminar nutzt den
regelmäßigen und intensiven Kontakt mit den schulischen Ausbildungsleitern
dazu, sich über aktuelle Fragen und Probleme zur Ausbildung auszutauschen.
Darüber hinaus finden jährlich eine ganztägige und nach Bedarf mehrere halbtägige Sitzungen mit den Schulvertretern zu
ausbildungsrelevanten Themen statt. Arbeitsgruppen mit schulischen
Ausbildungsleitern haben bereits Standards schulischer Ausbildung entwickelt,
Handlungsoptionen zu den schulischen Standardsituationen werden ergänzend
erarbeitet und mit den Ausbildungsinhalten verknüpft.
Fachleiter haben für die
Lehrerausbildung relevante Themenschwerpunkte definiert und dazu
Fortbildungsveranstaltungen mit Fachlehrern der Ausbildungsschulen
durchgeführt. Das Studienseminar stellt für diese Veranstaltungen seine
Infrastruktur zur Verfügung. Die bisherigen Erfahrungen und die erfreuliche
Resonanz ermutigen auf diesem Weg weiterzugehen.
Das Studienseminar in Koblenz steht
den Schulen als Ansprechpartner für Fragen des Berufseinstiegs sowie für
darüber hinausgehende Aspekte der Unterrichtsgestaltung und der
Schulentwicklung zur Verfügung.
Kohärenz der
Entwicklungsthemen und der Aktivitäten
Wohl jedes Studienseminar hat
seine wohlüberlegten Grundsätze, Bewertungskriterien, Ausbildungspläne,
Vereinbarungen, Absprachen, Regelungen etc. formuliert und in kontinuierlicher
Revision verbessert. Jedes Seminar sollte sich aber folgende Frage stellen:
Sind die so entstandenen diversen Papiere untereinander kohärent? Die interne
und externe Evaluation hat im Koblenzer Seminar den Blick darauf gelenkt, dass
die darin enthaltenen Aspekte – Kriterien der Bewertung, Inhalte der
Ausbildung, Standards - und die dahinter stehenden Auffassungen und
Interpretationen kohärent sein müssen. Die verstärkten Bemühungen, diese
Kohärenz herzustellen, haben für die Arbeit am Seminar nachweislich einen
qualitativen Sprung bewirkt.
Es empfiehlt sich, die Frage der Kohärenz aus dem Blick der Auszubildenden heraus anzugehen, die sich zu Recht folgende Fragen stellen:
1. Kompetenzfrage: Was sollen wir am Ende können?
2. Erwerbsfrage: Wo und wie erwerben wir, was wir können sollen?
3. Performanzfrage: Wo und wie zeigen wir, was wir können?
4.
Qualitätsfrage: Was und wie wird bewertet, was
wir können?
Wenn die Antworten auf diese Fragen sich widerspruchsfrei ergänzen, ist es gelungen, diese Kohärenz herzustellen:
· Die Antwort auf die erste Frage sind die Standards.
· Die Antwort auf die zweite Frage verdeutlicht die Verpflichtung, in den einzelnen Ausbildungselementen (Seminare, Veranstaltungen, Ausbildungsangebote) zu den Standards passende Inhalte zu vermitteln, bzw. die Inhalte so anzugehen und zu bearbeiten, dass sie zum Erreichen der Standards führen.
· Die Antwort auf die dritte Frage besteht in den Vereinbarungen über Unterricht, Hospitationen und Lehrproben.
·
Die vierte Frage wird damit beantwortet, dass
stimmige Bewertungskriterien erstellt und transparent gemacht werden.
Jeder Standard trägt gemäß der
vier Fragen implizit immer drei Indizes: den Erwerbindex, den Performanzindex
und den Qualitätsindex. Standards erfüllen ihre Aufgabe und die Zielsetzung der
Outcome-Orientierung nur dann, wenn alle Indizes
konzeptionell und aktuell mitgedacht werden.
Als wichtige Konsequenz aus der
Evaluation und den Erfahrungen mit der bisherigen Seminarentwicklung ergibt
sich die Empfehlung, alle „Papiere“ immer gleichzeitig im Blick zu
haben. Das garantiert die gewünschte Kohärenz.

Abschließende Bewerkungen
Institutionen treten gerne in die
Öffentlichkeit, wenn es Erfreuliches zu berichten gilt. Geht es aber um den
Blick der Öffentlichkeit in die alltägliche Arbeit, bei der auch vermeintliche
Schattenseiten des Handelns ins Licht gerückt werden, so ruft Öffentlichkeit
oft diffuse Ängste, Vorbehalte und Abwehrhaltungen hervor. Wer sich auf eine
externe Evaluation einlässt, lässt sich darauf ein, dass auch Unbequemes
belichtet wird. Das Studienseminar Koblenz hat sich darauf eingelassen, in der
festen Überzeugung, dass die Herstellung von Öffentlichkeit nicht Ängste
erzeugt, sondern latente Ängste abbaut. Öffentlichkeit ist der Garant gegen die
mentale Korruption in der alltäglichen Kommunikation, gegen die weitere
Verheimlichung impliziter Heimlichkeiten. Über das, was öffentlich ist, lässt
sich unbefangen und ehrlich kommunizieren.
Die Evaluation am Studienseminar
Koblenz gab der bereits eingeleiteten Seminarentwicklung zusätzliche Impulse.
Die dort gewonnenen Erfahrungen wirken sich produktiv auf die Kooperation aller
beteiligten Gruppen am Seminar aus. Diese Impulse sollten auch an anderen
Ausbildungsorten in Rheinland-Pfalz wirksam werden. Zu diesem Zweck sind
Arbeitsgruppen eingesetzt worden, die prüfen werden, wie die Erkenntnisse aus
der Evaluation für andere Seminare zu nutzen sind. Es bleibt abzuwarten, wie
sich diese Zusammenarbeit gestaltet und zu welchen Ergebnissen sie führen wird.
Neben diesem landesspezifischen Vorhaben ist ein intensiver Erfahrungsaustausch
über die Grenzen der Bundesländer hinaus wünschenswert.
Josef Leisen, OStD
Leiter des Studienseminars
Gymnasien in Koblenz
Hanna Mentges,
StD’
Stellvertretende Leiterin des
Studienseminars Gymnasien in Koblenz
Herbert Tokarski,
StD
Fachleiter Sport am
Studienseminar Gymnasien in Koblenz, jetzt Fachleiter Pädagogik am
Studienseminar Gymnasien in Mainz
[12][1] Eine ausführliche Darstellung der Evaluation mit den entsprechenden Dokumenten findet sich unter www.studienseminar-koblenz.de.
[13][2] www.verwaltung.uni-mainz.de/ZQ/
[14][3] vgl. Webseite
[15][4] Im Rahmen der Lehrerbildungsreform in Rheinland-Pfalz ist Prof. Dr. Oelkers mit der Leitung der ministeriellen Arbeitsgruppe Curriculare
Standards Bildungswissenschaften beauftragt, er kann somit die Empfehlungen
der Gutachterkommission einbringen und ihnen zur Durchsetzung verhelfen.
[16][5] Zu den konkreten Empfehlungen wird auf das externe Gutachten (vgl. www.studienseminar-koblenz.de) verwiesen. Das dritte Kapitel „Konsequenzen“ stellt die konkrete Umsetzung dar.
[17][6] Details finden Sie im externen Gutachten unter www.studienseminar-koblenz.de
[18][7] vgl. Webseite
[19][8] vgl. Webseite
[20][9] Der momentane Arbeitsstand findet sich unter www.studienseminar-koblenz.de/beitraege
[21][10] Beispiele im Anhang
[22][11] mit notwendigen Ergänzungen in Anlagen, Form- und Merkblättern